Frage 2
Frage 2
Lösung:
  Oetzi
Bei dem Auflauf an der Grenze handelt es sich um den Transport von Oetzi,
dem Mann aus dem Eis, am 16. Januar 1998 vom Institut für Anatomie der Universität Innsbruck
in das Südtiroler Archäologiemuseum nach Bozen (Das Museum ist übrigens äußerst sehenswert!!!).
Das Foto wurde beim Überschreiten der Grenze am Brenner aufgenommen.
Ötzi wurde am 19. September 1991 von einem Nürnberger Ehepaar entdeckt. Die Fundstelle liegt auf
3210m Höhe dicht neben dem Sommerweg von der Similaunhütte zum Tisenjoch, rund 73m unterhalb desselben
in einer mit Gletschereis und Schmelzwasser gefüllten Felsmulde.
Zunächst nahm man an, dass es sich um den Musikprofessor Carlo Capsoni handelt, der seit ca. 1941
in dieser Gegend oberhalb des Ötztals vermisst wurde. Ötzi steckte im Eis fest und konnte erst
am 23. September geborgen werden und ins Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Innsbruck
gebracht werden. Erst am 24. September wurde klar, dass die Leiche viel älter sein muss und
deshalb das Institut für Ur- und Frühgeschichte informiert. Anhand des Beils wurde noch am selben Tag
eine Datierung des ganzen Fundensembles in die frühe Bronzezeit festgestellt. Später fand eine
c14-Datierung statt, die bestätigte dass der Mann aus dem Eis um 3350 bis 3100 vor Christus versucht
hatte, den Alpenhauptkamm zu überqueren.
In weiteren Untersuchungen der Fundstelle fand man auch Ötzis gesamte Ausrüstung: Obergewand,
Grasmantel, Beinkleider, Gürtel, ein Täschchen mit Klingenkratzer, Bohrer, Knochenahle und
Zunderschwamm, weiterhin Lendenschurz, Schuhe, Bärenfellmütze, ein Beil mit Klinge aus
fast reinem Kupfer, ein 1,82m langer Bogen aus Eibenholz, ein Köcher aus Gemsenfell, zwei
schussbereite Pfeile und etliche vorbereitete Pfeilschäfte, ein Dolch mit Feuersteinklinge und
Eschenholzgriff samt Scheide, ein Retuscheur zum Schärfen, ein Netz zum Vogelfang,
eine Rückentrage, Birkenrindengefäße als Glutbehälter, eine Steinperle als Schmuck,...
All das ist sehr imposant in Bozen ausgestellt.
Nach dem Fund brach bald ein Streit aus, ob der Fund nicht auf italienischem Staatsgebiet stattfand
und demnach Ötzi nach Italien zu übergeben sei.
Eine Klärung der Grenzfrage wurde nötig. Die Unklarheiten beruhten darauf, dass im
Staatsvertrag von St.Germain-en-Laye zwischen der Republik Österreich und den alliierten und
assoziierten Mächten im Jahr 1919 die Grenze entlang der Wasserscheide zwischen Inn- und
Etschtal festgelegt worden war. Die Fundstelle des Leichnams befindet sich heute in einem Gebiet,
das zum Inn hin entwässert. Im Bereich des Tisenjoches war zum Zeitpunkt der Grenzziehung
die Wasserscheide aufgrund der Gletscherüberdeckung nicht klar auszumachen. Trotz veränderter
topographischer Verhältnisse besitzt der nach dem Ersten Weltkrieg festgelegte Grenzverlauf
völkerrechtliche Gültigkeit. Aufgrund des prominenten Fundes wurde eine amtliche Neuvermessung
des Grenzverlaufes notwendig. Sie ergab, dass der Fundort 92,56m von der Staatsgrenze entfernt
auf Südtiroler Boden liegt.
Trotzdem blieb Ötzi zunächst zur wissenschaftlichen Untersuchung in Innsbruck. Erst am
16. Januar 1998 wurde er dann schließlich an Südtirol übergeben und nach Bozen gebracht.